Keine Akronyme verwenden: schnell und einfach Ihre Kommunikation verbessern

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Mit Sicherheit sind Akronyme eine einfache und bequeme Art, mit anderen Fachleuten zu kommunizieren. Und Sie als Insider denken wohlmöglich es sei besser, Abkürzungen zu verwenden anstelle von langen Projekt- oder Produktnamen. Tun Sie es nicht. Im Folgenden möchte ich Ihnen eines der besten und verständlichsten Argumente aufzeigen, warum Akronyme keine gute Idee sind.

Im Dezember 2015 stieß ich auf einen Tweet von @ValaAfshar, Chief Digital Evangelist bei Salesforce. In seinem Tweet zitierte er eine Email, die Elon Musk an seine Angestellten über den Gebrauch von Akronymen geschrieben hatte. Am Ende eines ausgedehnten Wortschwalls über Akronyme schrieb Musk: „Der Schlüsseltest bei einem Akronym ist die Frage, ob es der Kommunikation hilft oder ihr schadet.“ Ich grub meinen angefangenen aber niemals zu Ende geschriebenen Blogartikel-Entwurf zum Thema Akronyme aus, um ihn neu zu verfassen. Mit Elon Musks Erkenntnis an meiner Seite griff ich dieses oft übersehene aber wichtige Thema erneut auf.

In den meisten Fällen schaden Akronyme der Kommunikation. Sie erzeugen unnötige Barrieren und hemmen die Weitergabe von Wissen innerhalb Organisationen. Schlimm genug, wenn Akronyme die Kommunikation in einer Firma erschweren. Schlimmer ist allerdings, wenn dasselbe zwischen Firmen und ihren Kunden geschieht.

Aus dem Standpunkt der Kommunikation gibt es drei Hauptprobleme, die mit dem Gebrauch von Akronymen auftreten:

  1. Es wird für Sie schwieriger, Wissen zu teilen.
  2. Sie engen den Kreis Ihrer Zuhörerschaft ein.
  3. Sie erhöhen die Chance, dass Ihnen Fehler unterlaufen.

It’s Greek to Me – Ich verstehe nur Bahnhof

Laut Wikipedia schreibt man die Redewendung „It’s Greek to me“ mittelalterlichen Mönchen  aus einer Zeit zu, in der das Wissen der griechischen Antike ihren Niedergang erlebte. Diese Gelehrten waren nicht in der Lage Originaltexte zu lesen. Leider ging so eine Menge Wissen einfach verloren.

Wissenstransfer ist für Firmen, besonders aus hochspezialisierten Branchen, ein Hauptproblem. Angestellte, die Akronyme verwenden machen es neuen Angestellten oder innerhalb der Firma versetzten Mitarbeitern schwer. Der umfangreiche Gebrauch von Akronymen in Firmenmaterialien verlangsamt den Lernprozess der Angestellten und führt zu reduzierter Produktivität.

Der interne Gebrauch von Akronymen erschwert die funktionsübergreifende Arbeitsweise von Teams. Wenn das Team Finanzen eine Reihe von Akronymen benutzt, das Team der Entwickler und das Team Verkauf wiederum andere, dann ist es so als spräche jedes Team eine fremde Sprache. Akronyme, die nicht von allen Mitarbeitern verstanden werden, beeinträchtigen die Teamarbeit.

Sind Sie Sheldon?

In der Fernsehserie „The Big Bang Theory“ benutzen Sheldon, Leonard und seine Freunde eine Art Code, in dem sie sich unterhalten. Sind Sie wie Sheldon? Es mag für komische Unterhaltung sorgen, wenn Nachbar Penny die Ausführungen eines Physikers nicht versteht. Wenn dasselbe aber am Arbeitsplatz, oder schlimmer noch, zwischen Ihnen und Ihrem Kunden passiert, ist es gar nicht mehr so lustig.

Lost in Translation

Wenn Sie einmal den Film mit Bill Murray und Scarlet Johansson gesehen haben, erinnern Sie sich vielleicht noch an den Regisseur, der Bill beim Dreh für die Whisky-Werbung langatmige Anweisungen gibt. Seine Anleitung wurde auf fürchterliche Weise übersetzt und/oder teilweise falsch interpretiert. Bill Murray ist sich selbst überlassen mit der Frage, was der Regisseur von ihm möchte. Und das als erfahrener Schauspieler.

Erwarten Sie nicht von Ihren Kollegen und Kunden, dass sie das Ratespiel, Ihre Akronyme zu entschlüsseln, mitspielen werden. Denken wir noch einmal an die Situation in einer Firma, in der die Abteilungen Entwicklung und Verkauf verschiedene Akronyme benutzen. Verkaufsleute und Entwickler halten vielleicht Dokumente über Vorschriften für eine neue Software und machen als Resultat daraus Fehler. Oder durch simple Missverständnisse zwischen diesen beiden Abteilungen, arbeitet das eine Team in die falsche Richtung und muss diese Arbeit später korrigieren oder sogar bei Null anfangen. Beide Szenarien kosten im Entwicklungszyklus Zeit und Geld.

Vorsorge ist die beste Medizin

Haben Sie schon einmal bei Google nach Ihrem Lieblingsakronym gesucht? Wenn nicht, sollten Sie genau das tun, wenn Sie das nächste Mal in Versuchung geraten. Abbreviations.com ist eine beliebte Quelle für Abkürzungen und Akronyme mit einer Datenbank von 330.000 Einträgen, Tendenz steigend.

Versetzen Sie sich einmal in Ihr Gegenüber. Eine gute Faustregel: wie lange würden Sie brauchen, um die richtige Bedeutung eines für Sie fremden Akronyms herauszufinden? Um es mit Elon Musks Worten zu sagen: wenn Sie beim nächsten Mal ein Akronym verwenden, fragen Sie sich, ob es hilfreich ist oder der Kommunikation schadet.



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